Katastrophen (allgemein, Natur- und technische Katastrophen)

Ereignis

Katastrophe:
Unglücksfall in einem großen Ausmaß, z.B. Verletzte und Tote nach Terroranschlägen

Naturkatastrophen:
z.B. Überschwemmung, Lawinenunglück, Muren, massive Erdbeben mit vielen Verletzten/Toten

Technische Katastrophen:
z.B. Seilbahnunglück mit vielen Verletzten/Toten, Busunglück von Kindern einer Schule, Explosionen von Fabriken, Chemieunfälle

Informationskette

  • Die Eltern (Angehörigen) werden dies üblicherweise sehr schnell der Schule bekanntgeben - Erstanlaufstelle ist Schulleitung
  • Schulleitung aktiviert unverzüglich (auch am Wochenende) das Krisenteam, das Krisenteam bereitet eine Krisenintervention für den darauffolgenden/ersten Schultag nach den Ferien/nach dem Wochenende vor bzw. nimmt umgehend Kontakt mit dem Klassenvorstand/der Klassenvorständin auf und unterstützt diese bei Bedarf

Wenn Kinder/Lehrpersonen aus der Klasse direkt davon betroffen sind (Schüler:innen /Lehrpersonen sind (tödlich) verunglückt)

Erste Schritte

  • Aussprechen von Beileid an die Angehörigen
  • Einholung von Informationen über die Todesursache – vor allem um oft entstehenden Gerüchten entgegenwirken zu können
  • Betroffene Gruppen identifizieren
  • Das Krisenteam koordiniert, welche Lehrperson welche Klasse übernimmt – wer muss informiert werden? (noch am Wochenende)
  • Unterstützung der Klassenlehrer bzw. des Klassenvorstands/der Klassenvorständin durch das Krisenteam
  • Krisenteam hält im Notfall Rücksprache mit außerschulischen Unterstützungssystemen bzw. fordern notfalls Unterstützung an

 

Weitere Schritte

  • Lehrpersonen bereiten in Abstimmung mit dem schulischen Krisenteam umgehend strukturierte Gespräche in den Klassen vor und holen sich Hilfe, wenn Sie das Gefühle haben, dies nicht alleine zu schaffen
  • Durchführung einer strukturierten Klassenintervention
    Lehrpersonen bzw. Mitglieder des schulischen Krisenteams sprechen den Todesfall in der Klasse an, führen strukturierte Gespräche (Strukturierte Klasseninterventionen)  durch und arbeiten prinzipiell nach den Regeln der Psychischen Ersten Hilfe
  • Lehrpersonen, die sich das zutrauen, sprechen SchülerInnen an, von denen sie das Gefühl haben, dass sie besonders betroffen sind
  • Selbst massiv betroffene Lehrpersonen sollten Kolleg:innen oder das Krisenteam bitten, die Klasseninterventionen zu übernehmen.
  • Schule informiert die Eltern (Elternbrief/Elternabend) über erfolgte Klasseninterventionen oder schickt bei Bedarf einen Elternbrief aus (Eltern der betroffenen Klasse/n kurz informieren, was von der Schule aus unternommen wurde) oder Festlegung eines Elternabends, falls notwendig
  • Organisation einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung, den/die die Schüler:innen mitgestalten können (Abschiedsfeier im Rahmen der Schule)
  • Teilnahme - oder je nach Wunsch der Eltern - die Mitgestaltung/Teilnahme am Gottesdienst oder Begräbnis.

Hintergrundwissen

  • Todesfälle müssen – zumindest in der betroffenen oder mitbeteiligten Klasse – immer zum Thema gemacht und besprochen werden
  • Nicht unaufhörlich, nicht jeden Tag, nicht in jeder Unterrichtsstunde, sondern einmal mittels einer strukturierten Gesprächsform (Strukturierte Klasseninterventionen)
  • Interventionen/Gespräche immer zu zweit durchführen!
  • Die Schulstruktur soll beibehalten werden – bitte die SchülerInnen nicht vorzeitig aus dem Unterricht entlassen, Struktur bietet den Schülerinnen Hilfe zur Bewältigung
  • Schularbeiten/Prüfungen desselben Tages/derselben Woche sollten nach Möglichkeit verschoben werden
  • Für betroffene SchülerInnen kann sich eine Zeit lang eine Relativierung von Alltagsproblemen ergeben, Verständnis dafür aufbringen
  • Einfache und bewältgbare Aufgaben geben (z.B. Stoffwiederholung/Festigung statt neuem Unterrichtsstoff) und Aktivitäten ermöglichen, die das Sicherheitsgefühl von Schüler:innen wieder herstellen helfen
  • Bei längerdauernden Verhaltensauffälligkeiten/auffälligen Verhaltensweisen von Kindern/Jugendlichen deren Eltern informieren
  • Bei Gesprächen immer auch darauf hinwiesen, was bereits getan wird (Rettung ist vor Ort, freiwillige Helfer suchen nach Verschütteten, Menschen werden/wurden in Sicherheit gebracht und z.B. ärztlich versorgt …) – Hilfe ist unterwegs oder vor Ort
  • Schülerinnen und Schüler, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, verstehen oft nicht genau, was passiert ist, können sich nicht entsprechend ausdrücken und auch nicht ausreichend trauern. Bitten Sie in diesem Fall eine entsprechend muttersprachliche Lehrperson oder die Mitarbeiter:innen der Migrantinnenberatung in der Bildungsdirektion oder der Mobilen Interkulturellen Teams der Schulpsychologie um Hilfe.

Wenn Schüler:innen/Lehrpersonen aus der Klasse nicht direkt davon betroffen sind

Wenn Schüler:innen/Lehrpersonen aus der Klasse nicht direkt davon betroffen sind, die Katastrophe aber indirekt durch das Ausmaß der Berichterstattung in den Medien in großem Maß betroffen macht

  • Krisenteam sollte organisieren, wer das Thema in der Klasse anspricht und bei Bedarf Unterstützungsmöglichkeiten
  • Krisenteams/Klassenlehrer:innen sollten sich Zeit nehmen und den Mut fassen, derartige Ereignisse mit den SchülerInnen anzusprechen

Viele Kinder und Jugendliche sehen die Berichterstattung im Fernsehen oder Bilder/Videos in den sozialen Medien, haben aber oft keine Möglichkeit, mit Erwachsenen (auch nicht mit den Eltern) darüber zu sprechen. Um möglichst bald wieder ein Mitarbeiten der SchülerInnen zu erwirken, sollte das Thema angesprochen und bearbeitet werden, dann kann im Endeffekt auch schneller wieder zu einer geregelten Unterrichtsstruktur übergegangen werden

  • Faustregel: Es ist sinnvoll, die Ereignisse anzusprechen, die auch Sie selbst stark betroffen machen
  • Für betroffene SchülerInnen kann sich eine Relativierung von Alltagsproblemen ergeben, Verständnis dafür aufbringen
  • Einfache und bewältgbare Aufgaben geben und Aktivitäten ermöglichen, die das Sicherheitsgefühl von SchülerInnen wieder herstellen helfen
  • Information hilft, mit dem Geschehenen umzugehen
  • Bei längerdauernden Verhaltensauffälligkeiten/auffälligen Verhaltensweisen von Kindern/Jugendlichen deren Eltern informieren
  • Hilfreiche Schulprojekte zu bestimmten Thematiken initiieren (z.B. Kurse in Lawinenkunde oder Geldsammeln für Hochwasseropfer), es ist wichtig, dass die Schüler:innen das Gefühl bekommen, dass etwas getan wird bzw. sie etwas tun können
  • Bei Interventionen immer den Focus darauf legen, was durch Einsatzkräfte/Helfer:innen an Positivem getan wird – Rettung – es ist jemand da, der hilft….

Einrichtungen Nachsorgearbeit

  • Im Elternbrief (Elternabend und Elternbrief) Beratungseinrichtungen anführen, an die sich die Eltern oder die Schüler:innen wenden können
  • Wenn Eltern merken, dass dem Kind/dem Jugendlichen die Bewältigung des Todesfalles auch nach längerer Zeit noch große Probleme macht oder Verhaltensänderungen auftreten, kann psychologische/ psychotherapeutische Unterstützung angedacht werden

COVID-19 Verweis

Auch wenn es ein kann, dass zu COVID-19 Zeiten eine Intervention vor Ort an der Schule nicht durchführbar ist, können doch Möglichkeiten für ein Klassengespräch gefunden werden (online z.B. per Zoom)